Aus der Sicht des Krisenberaters: Die Katholische Kirche hat ihre Situation nach Bekanntwerden der vielen Missbrauchsfälle in ihren Reihen verschlimmert, weil sie kommunikativ versagt hat. Wenn große Organisationen wie die Katholische Kirche oder der Deutsche Fußballbund Krisen durchleben, ist plötzlich alles anders: Die Führung verspürt ein Misstrauen bei den eigenen Mitarbeitern, Kunden bzw. Mitglieder wollen sofort umfassend Auskunft, viele kündigen die Mitgliedschaft oder Verträge, die ganze Organisation durchlebt eine angespannte Zeit der Unsicherheit und Verletzlichkeit. Die Katholische Kirche durchlebt gerade ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten. Es ist eine Vertrauenskrise ersten Ranges. Wobei Vertrauen der höchste Wert ist, den eine Kirche ihren Mitgliedern verspricht, der Markenkern sozusagen. Die Mitglieder stehen zu ihrer Kirche und zahlen Kirchensteuer, weil sie Vertrauen zur Kirchenführung und vor allem zu ihren Pfarrern und Seelsorgern haben.
Wenn dieses Vertrauen so schwer leidet wie im Moment, ist die Führung gefordert, konsequent zu handeln: Sie muss durchgreifen, zeigen, dass sie handlungsfähig ist, sie muss eine Strategie haben und diese glaub-würdig kommunizieren. Sie muss den Mitgliedern und der Öffentlichkeit zeigen, dass sie Herr des Verfahrens ist, dass sie die erste Quelle für Informationen ist, dass sie richtig, vollständig und transparent informiert. Sie muss öffentlich mitteilen, welche Schritte sie kurz-, mittel- und langfristig gehen wird. Sie muss Fehler eingestehen und um Entschuldigung bei den Betroffenen bitten. Sie muss also zeigen, dass sie wirklich alles daran setzt, um Vertrauen zurück zu gewinnen. Sie sollte sogar bewusst mehr tun, als von ihr erwartet wird.
Dabei ist Krisenkommunikation Chefsache. Die Führung sollte wissen: Eine fehlende oder misslungene Kommunikation kann Krisen verstärken oder erst entstehen lassen. Man unterscheidet zwischen Primärkrisen, die durch Handlungsfehler in einer Organisation entstanden sind, und Sekundärkrisen, die durch kommunikatives Fehlverhalten verursacht wurden. Bei der Katholischen Kirche kommt gegenwärtig beides zusammen.
Eigentlich wäre jetzt also Führung gefragt – und ein professionelles Kri-senmanagement, vor allem eine Vertrauen stiftende Kommunikation. Die Kirchenführer hätten sich sofort auf einen eloquenten, konsequent und integer wirkenden Sprecher einigen können, der ihre Bemühungen um Aufklärung, um Dialog, um Bestrafung der Täter und um Seelsorge der Opfer artikuliert. Aber das ist ausgeblieben…
Mehr dazu in der E&Z Position 3/2010.
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